Advents-Kalender-Türchen #17: Thea Gvetadze
Für einen befreundeten Gastroenterologen haben wir über Jahre eine Sammlung zu „Werden & Vergehen“ aufgebaut und jetzt in seiner Bibliothek eine Kabinett-Ausstellung dazu kuratiert. Im KAP-Advents-Kalender präsentieren wir der interessierten Öffentlichkeit Highlights. Türchen #17: Thea Gvetadze.

Als Grundschulkinder liebten zwei von uns Dreien aus der KunstArztPraxis die sogenannten Punkt-zu-Punkt-Rätsel, bei denen man Zahlen in der richtigen Reihenfolge verbinden musste, damit wie von Geisterhand eine Figur entstand, die man vorher nicht gesehen hatte: Für uns irgendwie auch ein Sinnbild von guter Kunst.
Deshalb ist Thea Gvetadzes „Green Teddy“ (2006) in gewisser Weise nicht nur das poetischste Werk der Hammer Sammlung Bloehme, sondern auch unser persönlichstes.*
*also: für zwei von uns. Sorry, KunstArzt2!
Du fandst derlei „Spökes“ ja schon mit sieben „albern“
Ohne diese kindliche Freude am Verbinden hätten wir das kleine Werk nämlich vielleicht gar nie erstanden. Aber jetzt lieben wir es sehr. Wegen seiner Poesie. Und zwar wir alle Drei.
Wir sind uns sicher, dass unter dem „Green Teddy“ eine Punkt-Vorlage wie aus unserer Kindheit schlummert – die Zahlen schimmern ja noch durch!
Thea Gvetadze hat die Punkte zum Teil mit kleinen goldenen Farbbergen übertüncht, nachdem sie sie mit schwarzem Strich verbunden und den Körper des Bären türkisfarben ausgemalt hatte.
Und hatte dabei sicher genauso kindliche Freude wie wir.

Foto oben: „1,2,3“, „Verbindet die…“ und „Dann“ kann man
durch die Goldfarbe sogar noch lesen. Thea Gvetadze,
„o. T. (Green Teddy)“ (2006), Sammlung Bloehme, Hamm 2025

Sternengang? Winterschlaf?
Wie gesagt: Wir mögen den – in der Bloehmeschen Bibliothek ganz bewusst sehr hoch über Erwin Hapkes „Krabbe“* gehängten – Bären, sehr.
*siehe Türchen #6
Er wohnt zwar nicht in den Röhren der Häuser und badet im Sommer bei Mondschein mit unbändiger Freude in der Zisterne auf dem Dach wie unser Lieblings-Bär von Julio Cortázar.
Aber er wohnt immerhin am goldenen Firmament, dessen Sterne ihn begrenzen. Oder hält er, im Traume trottend, in seiner Felsenhöhle Winterschlaf? Das hält das Bild (Kunst = Verheißung) ganz bewusst geheim.
Abbildung oben: Unser aller Lieblingsbär. Von Julio Cortázar,
dem Lieblingsschriftsteller von KunstArzt2 (siehe Selbstauskunft)
Ein paar Worte noch zu Thea Gvetadze: Als wir „Green Teddy“ im Entstehungsjahr für Gastro-Sammler Bloehme erwarben, lebte Thea Gvetadze in Düsseldorf: Drei Jahre zuvor hatte sie den Georgischen Pavillon auf der Biennale bespielt, hatte also gute Bekanntheit: für Gastro-Sammler Bloehme ein Überzeugungs-Argument.
Ein Künstlerinnen-Schicksal?
Dann verloren wir Thea Gvetadze komplett aus den Augen. Es hieß, sie habe Hals über Kopf zurück nach Georgien gemusst, aus familiären Gründen. Sie male nicht mehr. Auch nach mehrmaligem Nachfragen in größeren Abständen hieß es das.
In unseren Köpfen nistete sich allmählich der Gedanke ein, Thea Gvetadze sei für die Kunstwelt verloren, ein Künstlerinnen-Schicksal eben. Für Gastro-Sammler Bloehme war sie damit ohnehin uninteressant geworden. Kunst ist für ihn ja immer auch auch Kapital-Anlage, naiv, wie er ist.

19 Jahre ist das nun her, und die Hängung von „Green Teddy“ in der Hammer Sammlung Bloehme brachte uns Thea Gvetadze wieder recherchierend in den Sinn. Offenbar war die Künstlerin wirklich in Georgien geblieben, in der Hauptstadt Tbilisi, also Tiflis, um genau zu sein.
Sie malte noch. Wir stießen auch auf ihre dortige Galerie.
Chronologisch fast lückenlos
So wie wir das sehen können, ist Thea Gvetadzes Ausstellungs-Geschichte chronologisch bis auf drei Jahre lückenlos: Sie hatte sich bloß unseren „westlichen“ Blicken entzogen.
2022 ist sie dann auf der Art Basel wieder aufgetaucht. Spätestens da hätten wir sie bemerken müssen.
Jetzt haben wir gehört, dass Thea Gvetadze 2026 – also genau 20 Jahre nach der Entstehung von „Green Teddy“ – eine Ausstellung in Köln haben wird, wie es der objektive Zufall, den wir so lieben*, will:
*siehe u.a. kommendes Türchen #20
In einer Dependance ihrer georgischen Galerie mitten in der Innenstadt, die wir noch gar nicht kennen. Darauf freuen wir uns sehr.
Über diese Ausstellung zu berichten ist unser guter Vorsatz fürs Neue Jahr. (17.12.2025)



Der schönste Adventskalender, den man sich wünschen kann. Jeden Tag eine Entdeckung. Wunderbare Künstler und Kunstwerke – bekannt und unbekannt. Vielen Dank. Made my Advent!
Herzlichen Grüße
Beate Berns
Antwort KunstArztPraxis: Wenn Sie uns jetzt sähen, Sie sähen uns erröten. Herzlichen Dank! Ihre KunstArztPraxis