Pro & Contra Yayoi Kusama 2: Mehr als Punkte!!
Eigentlich ist die KunstArztPraxis ja unisono immer einer Meinung, aber bei Yayoi Kusama im Kölner Museum Ludwig scheiden sich ausnahmsweise mal unsere drei Geister. Wir bringen deshalb in einem Diptychon Lob & Tadel. Heute: Lob, von den wohlwollenden KunstÄrzten1&2: also dem Poeten & dem Fotografen.
Und zwar in einem offenen KunstArztbrief an KunstArzt3.
Köln, im März 2026
Hoch geschätzter Kollege, werter KunstArzt3, lieber Freund,
letzte Woche haben wir dir die Freiheit gelassen, die Räume unserer KunstArztPraxis alleine zu bespielen, denn wir haben dich zwar als notorischen Nörgler, aber eben auch als Jemanden kennen gelernt, dessen Meinung man wertschätzen kann.
Bis letzte Woche zumindest. Denn bei Yayoi Kusama bist du in unseren Augen dann doch erheblich übers Ziel hinausgeschossen.
Wenn wir dich nicht besser kennten, dann würden wir sogar vermuten, du habest dir die phantastische Schau im Museum Ludwig gar nicht angesehen! Aber wir wollen ja nicht so böse sein wie du.*
*das mit dem böse sein verbitte ich mir, Kollegen!
KunstArzt3


Wo sollen wir beginnen? Du reduzierst Yayoi Kusama auf die Punkte. Und auf den Kürbis. Dabei ist Yayoi Kusama viel mehr als das!
Es gibt ein grandioses Frühwerk von großer Eigenständigkeit, dass die Ängste & Nöte der Künstlerin sehr wohl in Bilder fasst.
Es gibt eine überwältigend-surreale, phallische Phase.
Und es gibt diese kuratorische Meisterleistung, die uns komplett umgehauen hat. Schöner sahen wir vor allem das „Souterrain“ des Hauses nie bespielt.
Wir empfehlen hiermit, die Schau schon mal für den Preis „Beste Ausstellung des Jahres“ vorzumerken.
Foto oben: Unser beider erklärtes Lieblings-Objekt – und SO SCHÖN ausgeleuchtet:
Yayoi Kusama, „In the Woods“ (1983), Museum Ludwig, Köln 2026

Yayoi Kusama ist nämlich sehr viel mehr als Punkt & Kürbis! Und das arbeitet diese Schau im Museum Ludwig, die du nicht gesehen hast (?), sehr gut heraus.
Im Übrigen: Warum darf Kunst nicht einfach auch mal schön & poetisch & fotogen sein?
Und:
Und: Dass die Menschen im Museum nichtmals mehr das Bild des Abbilds der Idee, sondern nurmehr das Bild des Bildes des Abbilds der Idee betrachten können: Das ist zwar auch für uns beiden Anderen die platonische Hölle, aber doch der Künstlerin nicht vorzuwerfen!
SO viel Reflexion hätten wir dir dann schon noch zugetraut.

Foto oben: Doch doch: Es gibt auch Menschen, die hinschauen!
„Yoyoi Kusama“, Ausstellungsansicht, Museum Ludwig, Köln 2026


Wir bitten dich also hiermit höflichst, noch einmal über deine Kritik an Yayoi Kusama nachzudenken.
Wir zeigen, wie sie keiner sieht!
Ansonsten lassen wir lieber mal die Bilder der Bilder der Abbilder der Ideen sprechen, die bekanntlich mehr als 1.000 Worte sagen.*
*zumal: mehr als 1.000 BÖSE Worte, KunstArzt3!*
*hört endlich auf mit eurem Nachtreten.
Das nervt total!
Und zeigen die tolle Ausstellung so, wie sie wahrscheinlich keiner sehen wird, wie man sie aber am besten genießen sollte.
Nämlich, bis auf wenige Aus- und Aufnahmen: menschenleer.
Foto oben: DIESE Hängung finden wir kuratorisch übrigens fast schon
hypnotisch. Nobles Understatement. Chapeau. „Yoyoi Kusama“,
Ausstellungsansicht, Museum Ludwig, Köln 2026
Wir durften nämlich vor den Massen rein. Danke sehr, Museum Ludwig! Und: Entschuldigung für unseren Kollegen, lieber Kurator Stephan Diederich! Er ist & bleibt halt ein notorischer Nörgler.
Und hat ihre Schau vermutlich nichtmals gesehen.*
*ja und?
Voilà:
„Yoyoi Kusama“ in 111 Ausstellungsansichten, Museum Ludwig, Köln 2026
Bitteschön. Dankeschön, KunstArzt3. Ach ja: Wir können ja trotzdem Freunde bleiben.*
*schaun wir mal.
Deine Kollegen aus der KunstArztPraxis.
(22.03.2026)
„Yayoi Kusama“ läuft noch bis zum 2. August 2026 im Museum Ludwig in Köln. Und, noch einmal: Wir anderen beiden aus der KunstArztPraxis sind hellauf begeistert!
Das Museum Ludwig in der KunstArztPraxis:
Pro & Contra Yayoi Kusama 1: Die Punkte nerven!
Die Alchemist*in: Ursula im Museum Ludwig
Aus dem Erzähl-Automaten: Francis Alÿs in Köln
Sommerloch-Porträts 2: Pierre Huyghes Hund
Kasper König: Porträt der Schenkung als ihr Schenker
Gerhard Richter Retro: „Neue Bilder“ in Köln (2017)


Kommentare
Pro & Contra Yayoi Kusama 2: Mehr als Punkte!! — Keine Kommentare
HTML tags allowed in your comment: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>