Statt Nachruf: Peter Sevriens fotografiert K. Klapheck
Am Dienstag (03.03.2026) starb der niederländische Künstler Peter Sevriens in Meinerzhagen: ein großartiger Mensch. Ihm zu Ehren präsentieren wir hier exklusiv seine phantastischen Fotos von Konrad Klapheck, die Konrad Klapheck zu Recht zu den besten zählte, die je von ihm gemacht worden sind.
Wir haben den Sichtbarkeits-Maschinen von Peter Sevriens mal einen Beitrag gewidmet, und einmal haben wir seiner Kunst sogar das Leben gerettet. Dafür hat Peter Sevriens uns mit tollen Gesprächen, guter Musik und unglaublichen Entdeckungen belohnt.
Sein Kunst-Bahnhof in Meinerzhagen, dieses Gesamtkunstwerk, war die größte davon.


Aber Peter Sevriens hat in jüngeren Jahren auch Kollegen fotografiert: Joseph Beuys, Konrad Klappheck und Wolf Vostell.
Die Fotos von Joseph Beuys sind uns seit Längerem bekannt. Die Fotos von Konrad Klapheck allerdings haben wir erst bei unserem Besuch bei Peter Sevriens vor knapp einem Jahr gesehen: die letzte Entdeckung.
Wir sind sehr stolz, die Porträts hier erstmals überhaupt präsentieren zu dürfen – zusammen mit der von Peter Sevriens persönlich erzählten Geschichte ihrer Entstehung.
Volià:
Foto oben: Peter Sevriens, „Joseph Beuys“ (1981)

„Ich bin ein Freund von Gegensätzen. Aber von Gegensätzen, die auf den zweiten Blick sehr gut zusammenpassen, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht glauben kann. Jeder Koch weiß, was ich meine. Da neue Kombinationen zu finden ist schön. Das habe ich Anfang der Achtzigerjahre, als ich die Künstler fotografierte, auch versucht.
Vor Konrad Klapheck bin ich bei Joseph Beuys gewesen. Beuys war ein Chaot in seiner Kunst, das kann man schon so sagen. Bei der Suche nach dem Gegensatz stieß ich auf Konrad Klapheck. Der Klapheck hat ja auch total verrückte Sachen gemacht, aber eben mit so einer irren Ordnung, das hat mich nach Beuys wahnsinnig angezogen.
Es war nicht einfach, an Klapheck heranzukommen
Es war nicht ganz einfach, an Konrad Klapheck heranzukommen. Ich musste mehrmals anrufen, er war damals sehr viel unterwegs oder in der Akademie. Aber irgendwann hat es geklappt.


Er sah wie ein Hausmeister aus
Wir haben dann einen Termin gefunden, an dem er im Atelier in Düsseldorf malen wollte und ich mit ihm allein sein konnte.
Er hat mir dann die Tür geöffnet und sah in seinem Kittel wie ein Hausmeister aus. Und so war er in gewisser Weise auch: also menschlich im besten Sinne einfach, ohne Allüren. Das hat mir sehr gefallen.
Ich war trotzdem relativ nervös, weil es im Atelier so unheimlich ordentlich wie auf den Bildern war und überall diese imposanten riesigen Leinwände standen.
An diesen Leinwänden ist Konrad Klapheck dann immer wieder vorbeigelaufen; wie ein Architekt. Ein Ingenieur.
Foto oben: Konrad Klapheck, fotografiert von Peter Sevriens,
Meinerzhagen 2025
Aber er hat mich schnell beruhigt und wir waren dann auf einer Ebene. Die Wellenlänge hat sofort gestimmt zwischen uns beiden. Bekloppte Leute finden ja schnell zusammen.

Wir haben sehr viel Spaß gehabt
Dann habe ich mit dem Fotografieren begonnen.
Am Anfang hatte ich den Eindruck, dass Klapheck nicht besonders fröhlich zu Werke ging.
Es wirkte so, als ob er das Malen, das bei ihm ja eine sehr penible Arbeit war, machen müsse, wie unter Zwang. Aber das ist bei anderen Künstlern ja ähnlich.
Er hat aber trotzdem alles mitgemacht: auch als ich ihn bat, sich mit dem Drahtauslöser im Spiegel zwischen den Rädern seines Motorrads selbst zu porträtieren.
Wir haben beide sehr viel Spaß gehabt. Und es war sehr schön, ihm bei dieser peniblen Form des Malens, mit Zirkel, mit Lineal, zuzusehen.

Foto oben: Konrad Klapheck, fotografiert von Peter Sevriens,
Meinerzhagen 2025


Da fehlt mir etwas
Ich bin den ganzen Nachmittag bei Konrad Klapheck im Atelier gewesen, sicher fünf, sechs Stunden lang. Wir haben viel miteinander gesprochen, worüber, weiß ich nicht mehr. Aber es war eine wunderschöne Begegnung.
Zuhause habe ich die Bilder dann entwickelt, damit war die Sache für mich abgeschlossen. Ich habe gar nicht erst versucht, sie zu Geld zu machen oder in einer Ausstellung zu zeigen, wie Konrad Klapheck es mir später vorgeschlagen hat.
Da fehlt mir etwas, ich weiß aber nicht was. Selbstbewusstsein ist es nicht. Etwas anderes. Aber ich habe die Fotos ja ohnehin vor allem für mich gemacht.
Foto oben: Konrad Klapheck, fotografiert von Peter Sevriens,
Meinerzhagen 2025
Ein wenig bereue ich nur, dass ich die Fotos nicht mehr persönlich bei Konrad Klapheck vorbeigebracht habe, so wie bei Joseph Beuys. Meine Frau Karin hat sie ihm nach Düsseldorf geschickt.
„Die Photos, die Peter Sevriens auf unserer Porträtsitzung gemacht hat, gehören zu den besten, die ich von mir habe – und es waren viele Photographen bei mir.
Konrad Klapheck, 1986
Genial.“
Das war ein Riesenkompliment
Ich habe dann noch ein paar Mal mit Klapheck telefoniert, und er hat uns auch noch zwei Mal geschrieben. Er war sehr begeistert von meinen Fotos.
Kurz vor mir war wohl ein Star-Fotograf der renommierten Zeitschrift „stern“ bei ihm im Atelier gewesen, aber meine Fotos fand er besser. Das war natürlich ein Riesenkompliment.
Nach Konrad Klapheck bin ich wieder auf die Suche nach einem Gegensatz gegangen, den habe ich dann im Fluxus-Künstler Wolf Vostell gefunden. Das war aber wieder eine ganz andere Geschichte.

Foto oben: Brief von Konrad Klapheck
an Peter Sevriens, Meinerzhagen 1985
Ich will mich auf keinen Fall mit Beuys, Klapheck oder Vostell vergleichen, aber von allen diesen Künstlern, von all den Gegensätzen habe ich ein wenig auch in mir.
Bei Konrad Klapheck ist es die Liebe für Technik, für Motorräder, Schreib- und Nähmaschinen. Diese Verfremdung, dieses Neubeleben, das habe ich ja auch gemacht. Wenn auch ganz anders.“ (08.03.2026)
„Ich betrachte Ihre Photos oft.“
Konrad Klapheck, 1985
Peter Sevriens in der KunstArztPraxis:
Wie wir der Kunst einmal das Leben retteten
Erste Hilfe: Darf die DB Kunst zerstören?
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Wie man dem toten Hasen Joseph Beuys erklärt


Was ein geistreicher Beitrag.