Vor rund zehn Tagen haben wir im Wartezimmer unserer KunstArztPraxis ein Mietangebot Mark Dions ans Schwarze Brett gepinnt. Interessierten Hexen müssen wir leider mitteilen, dass sein Werk offenbar schon vermietet ist! Wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Und zeigen eindeutige Beweisfotos.

Wir sprechen natürlich vom “Witches Cottage”, das der US-Künstler vor Kurzem in den Schlosspark des Museums Morsbroich setzte. Da waren wir ja, wie schon berichtet, beim Einrichten dabei. Auf den “Morsbroicher Kunsttagen 03” haben wir am Sonntag (18.09.2022) nochmal ausgiebig durch die Scheiben gespinkst und eindeutige Zeichen magischen Lebens entdeckt – sprich: Spuren einer neuen Mieterin.

Die Hexe war, wohl wegen des Performance-Trubels im Schlosspark, ausgeflogen (Beweis: Wir konnten keinen Besen entdecken!). Aber auch die entdeckbaren Zeichen waren eindeutig. So lagen Kleider auf dem Bett; eine Kerze war zumindest angebrannt; und die neue Bewohnerin hatte vor dem Schlafengehen eine ausgetrunkene Tasse Tee mit ans Bett genommen, um als Gute-Nacht-Lektüre im Bodensatz zu lesen.

Zudem lagen auf dem Arbeitstisch Scheren, Schädel, Voodoo-Puppen (?) und ein Fleischwolf: alles Dinge, die für okkulte Praktiken offensichtlich schon in Gebrauch gewesen waren. Und als der Stellvertretende Direktor bei einer Kinder-Führung kurz die Hüttentüre öffnete (was auch nach Hexenmietrecht natürlich streng verboten ist!), roch es drinnen eindeutig nach frisch gesammelten Kräutern.

Der schlagendste Beweis für die Präsenz der neuen Mieterin aber ist, dass sich unsere Bilder beim Fotografieren durch die Scheibe ohne unser Zutun magisch verändert haben! Das schaffen nur Wesen, die ihren Wohnungen eine Aura geben, die die Verbindung von Innen und Außen, Natur und Kultur, Körper und Seele wie von Zauberhand auf Fotos sichtbar macht.

Und die Verbindung aller möglichen Wetter: Denn obwohl es am Sonntag auf den “Morsbroicher Kunsttagen” lückenlos bewölkt war und in Strömen schüttete, scheint im Hexenhaus auf unseren Bildern ganz klar die Sonne.

Schwarze Magie ohne Dunkelkammer

Das alles können wir deshalb so gut beurteilen, weil wir schon mal ein echtes Hexenbuch mit magischen Fotos gemacht haben; zumindest hat Mary Bauermeister das behauptet. Und auch beim Zoo von Bertram Jesdinsky in Thomas Schüttes Skulpturenhalle, bei dem wir bekanntlich das in Morsbroich abermals praktizierte Genre der Hinterglas-Lichtmalerei begründeten, ist es uns passiert.

In allen diesen Fällen war nachweislich Magie im Spiel. Denn in der KunstArztPraxis gibt es zwar eine Couch, mehrere Praxistiere und ein Schwarzes Brett im Wartezimmer, aber weder eine Camera obscura noch eine Alchemie imitierende Dunkelkammer. Für sinistere Taschenspielertricks wie Abwedeln, Solarisieren, Doppelbelichten oder Retuschieren ist uns das analoge Wissen ebenso verloren gegangen wie den modernen Hexen das zum Knusperhäuserbau.

Quod erat demonstrandum.

Dann eben unterm Partyzelt und mit festgenagelten Bildern: “Requiem für einen Baum” von parklabyr im Schlosspark (oben) und sturmfeste Installation von konsortium vorm Hexenhaus

Im Oktober schaut Mark Dion in seinem “Witches Cottage” übrigens nochmal nach dem Rechten. Dann wird das Hexenhaus auch offiziell eingeweiht. Ob die rheinische Hexe an dem Ritual teilnimmt, wagen wir aber zu bezweifeln. Trubel – siehe “Morsbroicher Kunsttage 03” – ist ihre Sache nicht.

Beschirmende Improvisationskunst

Und noch etwas, aus aktuellem Anlass: Wir hatten bei unserem Mietangebot zum “Witches Cottage” am Schwarzen Brett in der letzten Woche ja ausdrücklich an alle bösen, rachsüchtigen Hexen appelliert, von Schadenszaubereien jeder Art abzusehen! Trotzdem hat offenbar irgendeine neidische Wetterhexe nach Monaten ununterbrochener Sonnigkeit ausgerechnet am Sonntag den schon erwähnten Regendauerschauer über Schloss Morsbroich vom Zaun gebrochen.

Besagter Hexe sei gesagt: Alle Performances haben, teils dank der beschirmenden Improvisationskunst des Museumspersonals, vollumfänglich stattgefunden. Das Museum war sehr gut besucht. Es herrschte trotz des miesen Wetters gutes Klima. Und den Bäumen des Schlossparks hat der Regen auch noch gut getan.

Der ganze Hokuspokus ging also voll nach hinten los. (22.09.2022)

Hinterglas-Lichtmalerei-Magie bei Mary Bauermeister (oben) und Bertram Jesdinsky (unten)

Mark Dion in der KunstArztPraxis:

Morsbroich, zu vermieten: Hexenhaus mit Schlossblick!
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Neue Routen durch die Sammlung: “Marta Maps

Homepage des Museums Morsbroich

Morsbroich: Hexenhaus mit Schlossblick ist vermietet!

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Ein Gedanke zu „Morsbroich: Hexenhaus mit Schlossblick ist vermietet!

  1. Ein mit viel Phantasie und Komik geschriebener Artikel, der mich nicht nur ein Mal zum Schmunzeln gebracht hat. Vielen Dank dafür!

    Antwort KunstArztPraxis: Gern geschehen, Wir freuen uns!

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