Nur nichts anbrennen lassen, Sammlungspräsentation, Kunstmuseum Bonn, 2020; Foto: Thomas Köster

Alle Naslang verändern die Ständigen Sammlungen der Museen ihr Gesicht. Ab sofort porträtiert und bewertet die KunstArztPraxis die ästhetischen Eingriffe in loser Folge. Den Auftakt macht das Kunstmuseum Bonn, das mit Straffungen und klugen plastischen Modellierungen glänzt.

Gelockerter Lockdown für Museen: Das Kunstmuseum Bonn öffnet am Dienstag (16.03.2021) wieder. Und weil nicht klar ist, wann die dritte Welle zuschnappt, sollte man möglichst bald mit Zeitticket reingehen. Getreu dem Motto der aktuell gehängten Dauerausstellung, das auf einen Gemäldetitel Georg Herolds verweist: „Nur nichts anbrennen lassen.“

Und warum reingehen? Hier unsere Wertung nach den für Schönheits-OPs im Kunstbereich gängigen Kriterien:

Lifting: Das neue Gesicht der Dauerausstellung vermittelt einen frischen, harmonischen, insgesamt gestrafften Gesamteindruck (wobei anzumerken ist, dass auch ältere Neupräsentationen im Kunstmuseum Bonn nie faltig wirkten). Dafür sorgen Schwerpunkte zu „Farbe“, „Ornament“ oder „1980er Jahre“, aber auch Künstlerräume (Thomas Huber, Isa Genzken, Tobias Pils).

Allgemein konzentriert sich das Lifting in Bonn auf die Augen: Die Ohren werden etwas außen vorgelassen. Kein Wunder: Kernkompetenz des Museums ist seit jeher die Malerei – diesmal ergänzt durch Fotografie und etwas Skulptur. Für den Augen-Ohren-Tuning gibt es ohnehin die hauseigene, nunmehr 18. Videonale (noch bis 18.04.2021).

Vergrößerungen / Verkleinerungen: Neuerwerbungen von Pia Fries oder Stefan Vogel unterfüttern die Präsentation an markanten Stellen. In anderen Partien konnte eigenes Material neu bzw. erstmals aus dem Depot verpflanzt werden. Die russischen Pop-Art-Standarten Milan Kuncs von 1978 etwa wurden bisher noch nie gezeigt (warum eigentlich nicht?).

Plastische Modellierung: Die räumlichen Bezüge der Partien zueinander sind gelungen. Das zeigt sich an Details: So korrespondieren zwei graue Bilder Gerhard Richters wundervoll mit den durch dezente Farbabweichungen und „Krümmungen“ irritierenden Geometrien Günter Umbergs und der bewegten „Drehung I“ von Reiner Ruthenbeck in den Nebenräumen.

Implantate: „Nur nichts anbrennen lassen“ wird hervorragend ergänzt durch die Wechselausstellung „Alexej von Jawlensky. Gesicht. Landschaft. Stilleben“. Im Segment „Gesicht“ finden nicht nur plastische Chirurgen zahllose Anregungen (noch bis 16.05.2021).

Narben / Einschnitte: Glücklicherweise keine erkennbar.

gez. KunstArztPraxis (15.03.2021)

„Nur nichts anbrennen lassen“ ist noch bis Mitte 2022 im Kunstmuseum Bonn zu sehen. Dann bekommt die Dauerausstellung ihr nächstes neues Gesicht.

Schönheits-OPs (1): Das Kunstmuseum Bonn

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