Als florierende KunstArztPraxis haben wir natürlich Geld wie Heu. Und deshalb schließen wir hin und wieder die Patientenpforte und reisen komplett ins befreundete Ausland. Diesmal ging’s nach Hessen, in die Opelvillen. Hier das Ausflugsprotokoll unserer Schülerpraktikantin Marie.

Gut gelaunt fuhren wir am 29. Oktober 2021 von Köln in den beiden Ford Mustangs der KunstArztPraxis zu den Opelvillen nach Rüsselsheim, um uns die Ausstellung “Kunst für Tiere” anzuschauen.

Unsere drei Chefs waren vorher in Tier-Ausstellungen in Aachen, Remagen und Brühl gewesen, da schien ihnen das Angebot in Hessen eine gute Ergänzung. Und wir anderen fanden das dann irgendwann auch.

Besser wäre es natürlich gewesen, an einem Donnerstag nach Rüsselsheim zu fahren, denn donnerstags dürfen auch Haustiere die Ausstellung besuchen. Da hätten wir Praxishund Zini und Praxiskatze Socke mitnehmen können. Aber donnerstags ist immer so viel los in der KunstArztPraxis, da können wir unmöglich schließen.

Krõõt Juurak & Alex Bailey, “How to Watch a Performance like a Dog” (2020)

Schon im Foyer der Opelvillen wurden wir von zwei freundlichen Künstlern empfangen, die uns in einem Video in die Ausstellung eingeführt haben. Ich glaube, es waren Krõõt Juurak und Alex Bailey, die Namen habe ich mir auf jeden Fall ganz oben auf meinem Block notiert.

Für die Ausstellung haben die beiden Künstler Katzen bei sich zuhause besucht – und für Hunde in den Opelvillen performt. Das haben sie angeblich schon über 200 Mal gemacht, auch für Ratten, Meerschweinchen, Hamster und Mäuse, und ich fand es sehr eindrucksvoll zu sehen, wie einfühlsam Tiere auf Menschen reagieren, die so tun, als wären sie welche von ihnen.

Maximilian Prüfers “Ich möchte sehen, was du riechst” (2020) in den Opelvillen 2021

Die Räume der Opelvillen sind sehr schön, aber die haben vor 90 Jahren ja auch Leute gebaut, die damals so wichtig waren wie heute Elon Musk. An den Wänden hingen dann aber keine Autos, sondern – klar! – unglaublich viele Tiere, und ich habe richtig was gelernt.

Zum Beispiel, wie viele verschiedene Kühe es gibt auf der Welt (oder gab, denn einige der Kühe auf den Fotos sind inzwischen ausgestorben). Wie schön die Hinterköpfe von Tauben sind (das stimmt wirklich!). Und dass mal ein Künstler ein Interview mit einer Katze gemacht hat.

Das war ein ziemliches Miaue. Verstanden habe ich das nicht.

Socke hätte vielleicht.

“Jedes Tier
ist eine Künstlerin.”

Rosemarie Trockel

Vorher habe ich auch nicht gewusst, dass Tiere Kunst machen können! Auf dem Schildchen bei den bunten Vogelnestern steht zwar Björn Braun drauf, aber eigentlich sind die von einem Zebrafinken, den der Künstler ausgenutzt hat.

Sagt man ausgenutzt? Egal, ich schreibe das mal einfach. Auf einem Video kann man dem Vogel auf jeden Fall bei der Arbeit zusehen.Björn Braun hat ihm nur die Fasern, Federn und den Kunststoff zur Verfügung gestellt.

Und die schönen weißen Striche auf den dunklen Fotos gleich daneben sind von Ameisen. Ich schwöre.

Dominika Bednarskys “Snails” (2020) in den Opelvillen, Rüsselsheim 2021

Mir persönlich hat der Schneckenraum am besten gefallen. Den Namen der Künstlerin habe ich mir leider nicht aufgeschrieben, aber sie hat 150 bunte Schnecken aus Ton auf dem Holzboden verteilt – sieht aber überhaupt nicht schleimig aus, sondern sehr gut auf dem Parkett.

Zwischen den Schnecken kann man vorsichtig durchgehen, und ich möchte mir gar nicht vorstellen, was Socke für ein Massaker unter den Keramiktieren angerichtet hätte! So gesehen war es vielleicht doch nicht schlecht, dass wir nicht donnerstags gekommen sind.

Auch die Affenporträts waren ein echter Hingucker. Die hat die Künstlerin nach ihrer Forschungsreise in Borneo gemacht. Also nicht in Borneo, sondern danach, weil im Urwald die Luft zu feucht zum Zeichnen war. Hat unsere Führerin gesagt.

Ich habe noch nie Bilder gesehen, auf denen Tiere so klug und so gütig aussahen wie auf diesen.

Etwas strange fand ich allerdings die Frau, die ihren Mann vor langer Zeit mal an der Leine durch die Stadt Gassi geführt hat. Da war ich noch gar nicht geboren, glaube ich, jedenfalls waren die Bilder schwarzweiß. Nur ihr Name – Valie Export – ist ziemlich cool. Den werde ich mir merken.

Gabriele Muschels “Orang-Utans” (1998-1999) in den Opelvillen, Rüsselsheim 2021

Ob Zini und Socke die Ausstellung gefallen hätte? Keine Ahnung, aber vielleicht fahren wir mit den beiden ja auch nochmal hin? Inzwischen müssten wir uns allerdings beeilen, denn es ist schon nach Weihnachten, und dann ist eigentlich nur noch bis Anfang Februar auf.

Ich habe mit meinem Protokoll nämlich etwas getrödelt. Ich hoffe aber trotzdem, dass ich mich an alles richtig erinnere. Zum Glück hat auch keiner von den KunstÄrzten mit mir geschimpft. Hier sind wirklich alle sehr nett zu mir. Darthvadern wie zuhause tut keiner.

Uns allen hat die “Kunst für Tiere” sehr gut gefallen, und als wir in unseren Ford Mustangs wieder nach Köln gefahren sind, haben wir noch lange über unsere Erlebnisse miteinander geredet. Hier freuen sich schon alle auf den nächsten Betriebsausflug.

Köln, Ende Dezember 2021, von Marie

P.S.: Im Nachhinein finde ich ein Foto aus der Ausstellung richtig creepy. Da hat eine Künstlerin ihren toten Kater in einem kleinen weißen Sarg mit einem Küchentuch als Decke drauf fotografiert. Vor kurzem ist nämlich ganz plötzlich unsere Praxiskatze Socke gestorben. Sie war erst sieben, und ich hätte nie gedacht, wie unfassbar traurig mich das macht.

Da bin ich froh, dass so ein tolles Bild von ihr und Zini in der KunstArztPraxis hängt. Das hat ein anderes Mädchen gemalt. In Öl, glaube ich. Jetzt hoffen hier alle, dass uns die Kunst ein bisschen tröstet. (03.01.2022)

Praxishund Zini und Praxiskatze Socke (2014-2021), gemalt von Maja (14 Jahre)

Die Ausstellung “Kunst für Tiere” ist noch bis zum 6. Februar 2022 in den Opelvillen in Rüsselsheim zu sehen. Donnerstag ist wie von Marie erwähnt Haustiertag, allerdings – wir haben nochmal nachgeschaut – eher für Hunde. Ach ja: Der Künstler mit dem Katzen-Interview war Marcel Broodthaers, die Künstlerin mit dem toten Kater Sophie Calle.

Anmerkung: Der Text wurde von einem der KunstArztPraxisÄrzte noch einmal sanft redigiert. Dabei hat er auch zahlreiche Begriffe der Jugendsprache gestrichen, die er schlichtweg nicht verstanden hat. Da war er einfach ein wenig lost. Entschuldigung, Marie!

Tiere in der KunstArztPraxis:
Wie man dem toten Hasen Joseph Beuys erklärt
“Surreale Tierwesen” in Brühl: Zoo mit Zerberbus
Das Wir im Tier: “Lovely Creatures” in Aachen
Sommerloch-Porträts (2): Pierre Huyghes Hund
Stella Hamberg: Kraft und Sinnlichkeit

Homepage der Opelvillen Rüsselsheim

Betriebsausflüge (1): “Kunst für Tiere” in Rüsselsheim

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.