Yoyoi Kusama vs. Kuno Gonschior: Wer punktet besser?
Ohne Takako Saito wären wir vielleicht nie ins phantastische Kunstmuseum Bochum gepilgert – und das wäre wahrlich unverzeihlich gewesen! Dem Museum verdanken vor allem die Entdeckung der Punkte von Kuno Gonschior. Für KunstArzt3 besser als die Punkte der Yoyoi Kusama.
An den Punkten von Yoyoi Kusama im Museum Ludwig wäre die KunstArztPraxis ja neulich fast ähnlich spektakulär zerbrochen wie die Beatles 1970 an Yoko Ono – wobei wir Zwei in diesem Fall John Lennon sind und unser notorischer Nörgler KunstArzt3 der ganze Rest. Aber wir wollen die Sache hier nicht unnötig verkomplizieren.
Der Sturm hat sich ja auch fast gelegt.
Trotzdem keimte der Sturm wieder etwas auf, als wir wegen des Fests für Takako Saito kürzlich im wundervollen Kunstmuseum Bochum durch die ständige Sammlung striffen. Dort gibt es nämlich Arbeiten des uns zu unserer Schande bis dato völlig unbekannten Malers Kuno Gonschior (1935-2010).

Foto oben: Nur zur Erinnerung: Dies sind die Punkte von Yoyomi Kusama im
Museum Ludwig. Nervig, meint KunstArzt3. John Lennon sind da anderer Meinung.
Und die sind über und über mit Punkten versehen.


Demnach haben neben Yoyoi Kusama nicht nur Takako Saito und Mary Bauermeister in den Sechzigerjahren in New York Punkte-Bilder gemalt, sondern Im Ruhrpott zur gleichen Zeit auch dieser Mann.
Und nicht nur das: Anders als Takako Saito und Mary Bauermeister ist Kuno Gonschior diesen von ihm so genannten „Fleckenbildern“ mit derselben Obsession wie Yoyoi Kusama ihren „Polka Docs“ treu geblieben. Und er hat sogar, wie Yoyoi Kusama, Dinge: Kugeln, Wände, überpunktet!
Warum also bricht Yoyoi Kusama im Museum Ludwig gerade alle Besuchs-Rekorde des Universums, während Kuno Gonschior hierzulande gar niemand kennt? Da waren wir schon etwas baff.
Foto oben: Kuno Gonschior, „Vibration, Kugel rot-grün“ (1969),
Kunstmuseum Bochum, 2026

Der Ätschibätsch-Zettel des KunstArzts3
Natürlich hat es sich unser notorischer Nörgel-Kollege nicht nehmen lassen, uns ein paar Tage später zur Beantwortung dieser Frage triumphierend einen belehrenden Ätschibätsch-Zettel an die Kühlschrank-Tür zu heften. Den wollen wir anderen Beiden hier einfach mal komplett zitieren
Obwohl wir schon kurz anmerken müssen, dass dieser Ätschibätsch-Zettel in unseren vier Augen schon ein wenig arrogant rüberkommt! Allein schon die Anzahl an Rufzeichen spricht Bände. An Punkten hingegen wurde gespart.*
*den MUSSTEN wir jetzt machen!
Egal. Der geneigte Lesende kann sich sein Urteil ja selber bilden. Deshalb voilà:
„Werte Kollegen,
erinnert ihr Euch noch, wie baff wir im Kunstmuseum Bochum vor den Fleckenbildern von Kuno Gontschior standen und uns fragten, warum Kuno Gontschiors Punkte nicht genauso berühmt wie Yoyoi Kusamas Punkte sind? Ich habe drüber nachgedacht und kann es euch sagen!
Das liegt einfach daran, dass Yoyoi Kusamas Punkte den Nerv der Zeit viel besser treffen! Kusamas Punkte bleiben nämlich an der Oberfläche. Sie machen aus Dingen Kunst-Dekor, Design-Tapeten für Selfie-Knipser! Yoyoi Kusamas Punkte springen auch dem ins Auge, der gar nicht sehen kann. Yoyoi Kusamas Punkte versteht Jede*r. Weil es an ihnen nichts zu verstehen gibt.
Yoyoi Kusamas Punkte sind Geschmack – Kuno Gontschiors Punkte sind Philosophie! Yoyoi Kusamas Punkte kleben, Kuno Gontschiors Punkte schweben! Sie erzeugen in den Köpfen Töne, die es auf den Bildern gar nicht gibt! Die Sinnlichkeit von Kuno Gontschiors Punkten ist wahr – und falsch zugleich! Hier geht‘s ums Sehen lernen. Wenn Ihr versteht, was ich meine.
Ihr lobt an Yoyoi Kusama ja immer so das Immersive. Kuno Gonschior ist auch immersiv, aber er schafft das auf der platten Leinwand! Er braucht dazu keine musealen Riesenräume – weil er die Riesenräume auf der kleinsten Fläche mit der Farbe selbst erzeugen kann! Und wenn Kuno Gonschior Objekte bepunktet, dann punktiert er sie: Wir schauen mitten rein ins Herz des Dings. DAS ist der springende Punkt.
Sorry, Leute, aber das ist um LÄNGEN besser als bei Yoyoi Kusama! Auch wenn keine spektakuläre Biografie dahintersteckt, auf die die Medien abfahren. Auch wenn Kuno Gontschior keine gewieften Vermarkter mit Marketingeltangel-Qualitäten gefunden hat (wahrscheinlich hat er sie auch nicht gesucht).
Auch wenn sich DIESE Punkte eben NICHT als analoger Hintergrund fürs digitale Platte eignen. Oder fürs oberflächliche Betrachten. Denn DAS prallt an ihrerauch gedanklichen Tiefe einfach ab.
SO ist das nämlich! Nichts für ungut, aber ätschibätsch. Euer Kollege KunstArzt3“

Trotz aller seiner Fehler hochgeschätzt
Man könnte zum oben Gesagten viel gegensagen, aber wir lassen das jetzt einfach mal so unkommentiert hier stehen. Das Wichtigste haben wir beiden Anderen, zu Yoyoi Kusama und ihrer faszinierenden Ausstellung im Kölner Museum Ludwig, ja andernorts eh schon gesagt.
Und was Kuno Gontschior angeht, so stimmen wir sowieso mit unserem – trotz aller seiner Fehler natürlich nach wie vor hochgeschätzten! – Kollegen überein.
„SICHTBAR – Die eigene Sammlung“ und „Das Raunen der Sammlung III“, Kunstmuseum Bochum, 2026

Hammer! Kracher!! Treppenlos!!!
Überein stimmen wir auch beim Kunstmuseum Bochum, das uns unisono umgehauen hat. Allein das treppenlose Treppenhaus ist eine Schau für sich – von der ständigen Sammlung mit ihren wirklich phantastischen Hängungen ganz zu schweigen.
Inklusive jenes Parts, der momentan im dritten Teil der Reihe „Das Raunen der Sammlung“ – der mit der Pseudo-Gonschior-Tapete! – bewundert werden kann.
Zudem laufen momentan noch zwei Sonder-Schauen, die wir den geneigten Lesenden hiermit als gesamte KunstArztPraxis sehr (!) ans Herz legen wollen:
Foto oben: Hammer! Kracher!! „Treppenhaus“ des
Kunstmuseums Bochum, 2026
„How We Meet. Yoko Mohri & Ei Arakawa-Nash“, Kunstmuseum Bochum, 2026
„How We Meet“, in der sich die beiden japanischen Künstler Yoko Mohri & Ei Arakawa-Nash auf sehr originelle Weise nicht nur mit den Verbindungen zwischen Wasser, Klang & Raum oder Apfel und Strom auseinandersetzen.
Sondern vor allem auch mit der Schenkung von fulminanten Fluxus-Werken der Bochumer Galeristin Inge Baecker.
Demokratisch balancieren
Und die Ausstellung „Das öffentliche Grün“ zum 150. Geburtstag des Bochumer Stadtparks, die aber generelle Fragen stellt zum Spazieren, Flanieren, Balancieren im demokratisch gehegten & gepflegten Raum.

Foto oben: „How We Meet. Yoko Mohri & Ei Arakawa-Nash“,
Ausstellungsansicht, Kunstmuseum Bochum, 2026
Hier wie dort lassen wir aber lieber mal die Bilder sprechen. Vor Ort gibt es dann ohnehin sehr informative Broschüren zur kostenlosen Mitnahme.
„Das öffentliche Grün“, Kunstmuseum Bochum, 2026
Da steht dann alles drin. Punkt und aus. (28.06.2026)
„How We Meet. Yoko Mohri & Ei Arakawa-Nash“ ist noch bis zum 13. September 2026 im Kunstmuseum Bochum zu sehen. „Das öffentliche Grün“ läuft ebendort noch bis zum 1. November. Und dem „Raunen der Sammlung III“ kann noch bis zum 31. Dezember 2026 gelauscht werden. Auf das danach zu Lauschende sind wir schon sehr gespannt. Denn: Wir gehen sicher nochmal hin! Schon allein des treppenlosen Treppenhauses wegen. Und, natürlich: wegen Kuno Gonschior
Anmerkung 1: Kuno Gonschior ist natürlich kein Unbekannter, wir haben uns ein wenig umgehört. International genießt er als Vertreter der Konkreten Kunst immer noch einen exzellenten Ruf. Aber der Ruf droht zu verblassen – ganz im Gegensatz zu seinen immer noch wahnsinnig frischen Fleckenbildern. Eines steht sowieso fest: An Kuno Gonschior bleiben wir von der KunstArztPraxis auch in Zukunft dran.
Anmerkung 2: Wir müssen doch noch einmal etwas zu Yoyoi Kusama im Museum Ludwig sagen, und diesmal sind wir uns alle Drei einig. Es geht um vier „Editionen“ vor allem von den Polka-Dot-Kürbissen, die „in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und ihrem Studio (YAYOI KUSAMA Inc.) realisiert“ worden sind und die das Museum „exklusiv“ nur vor Ort anbietet. Die „Editionen“ sind auf je 500 Exemplare „limitiert“. Mit GEDRUCKTER (!!!) Signatur.
Früher nannten wir sowas Poster-Druck. Das gab es für maximal 20 Mark im Museums-Shop und hing in unseren Studenten-Butzen.
Diese „exklusiv“ „realisierten“ „Editionen“ mit ihren GEDRUCKTEN (!!!) Kusama-Unterschriften hingegen kosten 2.400 Euro (in Worten: ZWEITAUSENDVIERHUNDERT EURO!!!) EACH. Wir haben uns sicher verrechnet, aber wenn ALLE 2.000 Exemplare verkauft werden, dann macht das laut unseren Berechnungen 4,8 Millionen Euro. Für einen Poster-Druck, den das Museum durch seinen überhöhten Preis als Kunstwerk kaschiert.
Vermutlich ist das alles nur eine Erweiterung des Kunst-Begriffs. Aber wir halten das gelinde gesagt für falsch schon betrügerische Nepperei.
Ach ja: „Yayoi Kusama“ im Museum Ludwig ist offiziell am 2. August 2026 zu Ende! Und wie gesagt: Zwei von (uns) Dreien gefällt das!
Punkte in der KunstArztPraxis:
Pro & Contra Yayoi Kusama 1: Die Punkte nerven!
Pro & Contra Yayoi Kusama 2: Mehr als Punkte!!


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