Es mag etwas komisch klingen, aber für uns sind Piet Mondrians Geometrien Sehnsuchtsorte. Anlässlich der großen Mondrian-Retrospektive im K20 in Düsseldorf und nachträglich zum 150. Geburtstag des Malers öffnen wir deshalb wieder einmal unsere lyrische Hausapotheke. Poem für Piet. Voilà:

Piets Wohnung.
Für Mondrian zum 150. Geburtstag

Wir hätten gern das Hirn von Mondrian.
Wir würden gern in seinen Bildern wohnen.
Auf geometrischen Synapsen fahrn
In dieses Netz aus konstruktiven Zonen.

Dann säßen wir in einem sichren Bau.
Dann würden wir in planen Flächen denken.
Und in der Felder Gelb und Rot und Blau
Den Blick aus schwarzumrahmten Fenstern lenken

Auf eine Welt, die tobt. Wir ruhn im Bild.
Wir leben jetzt in aufgeräumter Sphäre.
Und während draußen alles überquillt,
Ist‘s drinnen still, als ob da gar nichts wäre.

Dort ist Tumult. Hier das Quadrat.
Wir kreuzen lässig unsere Beine
In rechten Winkeln. Oder im Spagat.
Und schreiben folgende Idee auf Linien ins Reine:

Selbst sollte sich einst ein Prophet
Von hinten an die Schutzglasscheibe kleben
Weil SEINE Welt in Strudeln untergeht:
WIR werden in Piets Wohnung überleben.

(28.11.2022)

“Mondrian. Evolution” ist noch bis zum 12. Februar 2023 im K20 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen. Da geht es allerdings vor allem auch ums gegenständliche Frühwerk, das unser Gedicht vorsätzlich ausspart.

Die lyrische Hausapotheke der KunstArztPraxis
Zum 110. Geburtstag: Ode an Jackson Pollock
Wenn Polke lacht. Eine lyrische Hommage
Intuition statt Kochbuch. Ein Editionsgedicht

Homepage der Kunstsammlung NRW

Anmerkung: Unser Aufmacherbild zeigt einen Teil der aufgeräumten Zimmer in Piet Mondrians “Komposition mit großer roter Fläche, Gelb, Schwarz, Grau und Blau” (1921) aus dem Kunstmuseum Den Haag, das momentan im K20 hängt. Hach!

Piets Wohnung. Poem für Mondrian

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