Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Vor allem, wenn die Opulenz der Farben eine eigene Sprache spricht. Wie bei Thomas Lanigan-Schmidt bei Jan Kaps in Köln. Lassen wir also einfach mal nur die Fotos reden. Allerdings mit einem Exkurs zum Zucker.


Farbe ist Zucker fürs Hirn. Wer jemals das Display des Smartphones seiner Kinder schwarz-weiß gestellt hat, um deren Suchtverhalten herunterzufahren, weiß das. Oder wer schon einmal in einer barocken Kirche war. Wenn schon Opium fürs Volk, dann auch quietschig koloriert kandiert.

Der 1948 geborene und in der Höllenküche Manhattans lebende Künstler Thomas Lanigan-Schmidt gilt manchen als Gottvater des Kitsches, der uns Jeff Koons auf die Erde schickte. Dabei isz Lanigan-Schmidts Zucker gar nicht aufdringlich süß, sondern schmeckt nach seiner deutsch-irischen, katholischen Vergangenheit und nach seiner homosexuellen Biografie. Und Lanigan-Schmidt hat eine Relevanz auch jenseits der Kunstgeschichte, die nun schon seit über 50 Jahren trägt.

Lanigan-Schmidt ist einer der letzten Überlebenden der sogenannten Stonewall-Unruhen in New York Ende der 1960er Jahre, die als Geburtsstunde der Lesben- und Schwulenbegegnung gelten. Bei seinen Assemblagen, Objekten und Installationen spielt neben der heiligen Ikonografie der christlichen und byzantinischen Kirchen auch der profane Glitter der inzwischen legalen LBGTQIA+Community eine Rolle.

Offen gestanden finden wir, dass die Zuckerkunst von Thomas Lanigan-Schmidt auch ein wenig süchtig macht. Sattsehen jedenfalls kann man sich nicht daran. Aber der Verstand kann eingeschaltet bleiben. Und das ist definitiv anders als bei Smartphones und im Barock. Und Jeff Koons ist eh nur Saccharin. (08.07.2021)

P.S. In der Ausstellung „Sweet Lies“ im Ludwig Forum Aachen steht momentan auch eine phantastische Arbeit von Thomas Lanigan-Schmidt. Auch da: Taste it!

Thomas Lanigan-Schmidt: „A Rite Of Passage…” (1974), Ludwig Forum, Aachen 2021 (Detail)

Thomas Lanigan-Schmidt ist noch bis zum 28. August 2021 in der Galerie Jan Kaps in Köln zu sehen. Und bis zum 12. September 2021 im Ludwig Forum in Aachen.

Wir und Ich: „Sweet Lies“ im Ludwig Forum Aachen (KunstArztPraxis)

Reine Bildgebung (1): Joseph Beuys in Wuppertal (Opfer der Unsichtbarkeits-Maschine)
Reine Bildgebung (2): Brigitte Waldach in Herford
Reine Bildgebung (3): Marcus Neufanger

Homepage der Galerie von Jan Kaps

Reine Bildgebung (4): Lanigan-Schmidt bei Kaps

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