Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeiten an: Die KunstArztPraxis ist in Urlaub. Deshalb als Überbrückungsmusik eine Mini-Serie mit Lieblingsporträts nebst ihrer Geschichte vom AB. Den Auftakt macht Tim Burtons Hand, die hier mitnichten unscharf daherkommt, sondern aus einer anderen Dimension!

Bevor Tim Burton 2015 zur Pressekonferenz von „The World of Tim Burton“ nach Brühl kam, schickte er als Vorhut seine schwarz gekleidete Security-Mannschaft vorbei. Die sprach geheimnisvoll in ihre Headsets, blickte böse durch ihre Sonnenbrillen und verlieh dem Max Ernst-Museum den diskreten Charme eines Hochsicherheitstrakts.

Wir nahmen die skurrile Inszenierung stauend zur Kenntnis und fragen uns, wovor Tim Burton wohl größere Angst haben mochte: vor seiner eigenen, unter den Glasstürzen allerdings erschreckend harmlos wirkenden Welt aus zähnefletschenden Horrorhunden, bös grinsenden Marsianern und bucklichten Kreaturen …

… oder vor jener wirklich gruseligen Meute aus Pressefotografen, die sich rücksichtslos schubsend, quetschend und selbstzerfleischend wie Zombies zur Seite drückten, als ein eigentlich sehr entspannter Tim Burton mit einem süßen Dinosaurier-Hemd endlich leibhaftig auf der Bildfläche erschien.

Wie naiv wir waren!

Es war der Anfang unserer fotografischen Karriere, und unsere Ausrüstung war im Vergleich zum High-Tech-Equipment der Fotografenmeute mickrig. Jedenfalls dachten wir später, wir hätten einfach eine schlechte Kamera dabeigehabt. Eine, die wegen akuter Lichtunempfindlichkeit schlicht unbrauchbar wäre für diese von der Gesamtszenerie verbreitete Düsternis. Daheim vergruben wir uns weinend in unseren Kissen.

Aber ach: Wie naiv wir doch waren! Denn heute wissen wir, dass wir in der Hektik der Vorbereitung aus Versehen – und ausgerechnet bei Tim Burton! – zu einem Apparat gegriffen hatten, mit dem sich das ebenso phantastische wie bedrohlich-geheimnisvolle (und immer ein wenig unscharfe) Zwischenreich der Geister und Gespenster fotografieren lässt.

Tatsächlich zeigt unser erstes Sommerloch-Lieblingsporträt jenen furchtbaren Augenblick, in dem Tim Burton von seiner eigenen Monsterhand verschlungen wird. 

Auf diese Überraschung war nicht einmal seine Security-Mannschaft vorbereitet gewesen.​ (19.07.2021)

Homepage des Max Ernst Museums Brühl

Sommerloch-Porträts (1): Tim Burtons Hand

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