Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeiten an: Wir sind in Urlaub. Als Überbrückungsmusik erzählt Ihnen deshalb unser AB in einer Mini-Serie, was uns mit einigen der von uns porträtierten Künstler*innen verbindet. Heute: Erwin Wurms Gurke als Missing-Link.

Zu den ersten kunstgeschichtlichen Meisterleistungen der KunstArztPraxis gehörte Anfang April 2021 die Sensationsdiagnose, dass der weltbekannte Künstler Erwin Wurm seine famose Idee mit der Gurke eigentlich dem heute völlig zu Unrecht komplett vergessenen Gurkenfotografen Ricardo Reuss und seinem auf Mallorca entstandenen Lebenswerk „The Cucumber Diaries“ (1977-1989) verdankt.

Diese Enthüllung hat in der Fachwelt hohe Wellen geschlagen. Sie hat Beifallsstürme entfacht, aber auch für einige Empörung gesorgt. Nicht so sehr bei Erwin Wurm, auf dessen Antwort wir bis heute warten, wohl aber bei Reuss‘ Witwe Ricarda, die „das seriöse Werk meines Mannes nicht durch konnotative Bezüge zu einem Kunst-Clown aus Österreich in Misskredit gebracht sehen“ möchte, wie sie uns kurz nach Veröffentlichung unseres Beitrags schrieb.

„Volumen wegnehmen oder Volumen zufügen:
Nichts anderes macht der Bildhauer.“

Erwin Wurm

Rezepte für die Schmunzelatmung

Wir müssen das akzeptieren, wollen aber an dieser Stelle auf jeden Fall betonen, dass wir Erwin Wurm im Unterschied zu Frau Reuss für einen ganz, ganz Großen der Branche halten. Als KunstArztPraxis setzen wir ja gezielt auch auf die Hartung‘sche Lachtherapie – und auf die etwas verträglichere Schmunzelatmung nach Lohmann –, und für beide Ansätze lieferte Wurm auf konstant hohem Niveau bisher allzeit gelungene Rezepte.

Viele dieser Rezepte waren übrigens 2017 in Erwin Wurms wundervoller Duisburger Doppelschau im MKM und im Lehmbruck Museum zu sehen.

Lange sprachen wir damals mit Direktorin Söke Dinkla über Wurms Humor, und währenddessen verfertigte sich in unseren Hirnen allmählich der Gedanke, ob Herr Wurm nicht eine Gurken-Edition fürs Museum machen könnte. Wir würden eine bestellen! Frau Dinkla gefiel die Idee; sie wolle das beim anstehenden Mittagessen mit dem Künstler besprechen.

Dieses Bild gibt leider nur den Typ von Wurms Gurke wieder (Grund: siehe Anmerkung unten)

Wir waren beim Mittagessen leider nicht dabei, hoffen aber inständig, dass die Gurken-Edition bei einem Wiener Schnitzel mit deftigem Steirischem Erdäpfel-Gurken-Salat im „Grillparzer’s“ in der Mercatorstraße besiegelt wurde. Oder doch zumindest mit einem – im Übrigen sehr empfehlenswerten! – Gyros-Carpaccio an Tzatziki beim Duisburger Nobelgriechen „Feta & Söhne“ am Willy-Brandt-Ring. Alles andere wäre stillos.

Fünf Sterne für die Nummer Zwei

So oder so war knapp drei Wochen nach der Bestellung unsere Gurke da. Natürlich war sie da schon merklich abgekühlt, und es war auch in der Edition nicht wie gewünscht die erste (die verblieb im Museum), aber wir haben trotzdem keinerlei Grund zur Beschwerde. Wir vergeben deshalb gern fünf Sterne.

„Wir selbst sind lebende Skulpturen,
weil wir abnehmen und zunehmen“

Erwin Wurm

Seitdem können uns eigentlich gar nicht satt sehen an der Fleisch gewordenen Idee, diesem unterschätztesten aller Gemüse quasi über Bande ein wenn schon nicht ehernes, so doch zumindest bronzenes Denkmal gesetzt zu haben.

Und wenn es stimmt, was Erwin Wurm sagt, dann hat sein Werk auch uns Drei von der KunstArztPraxis immer mal wieder zu Skulpturen gemacht. Denn in den vielen Stunden und Tagen und Wochen bewundernder Betrachtung sind wir seit 2017 eben immer wieder einmal nicht wie gewohnt zum Praxis-Kühlschrank gewandert.

Und haben ergo an Volumen verloren, bevor wir dann natürlich später wieder zunahmen. Wie es sich für lebende Skulpturen gehört. (18.07.2022)

Anmerkung: Komplett unwitzig ist leider, dass Erwin Wurms Werk von den Klauen der Unsichtbarkeits-Maschine umschlungen wird. Deshalb dürfen wir unsere an sich recht hübschen Fotos der beiden Duisburger Retrospektiven von 2017 leider hier nicht zeigen. Und präsentieren statt der Bronze-Gurke-Edition oben abgebildeten Serviervorschlag. Das Werk von Ricardo Reuss ist zum Glück noch klauenlos, weshalb wir es anbei präsentieren. Zu hoffen bleibt nur, dass Frau Reuss sich nicht an anderen geldgierigen Witwen ein Beispiel nimmt. Dann müssen auch diese Fotos wieder vom Netz.

Sommerloch-Porträts der KunstArztPraxis:
Sommerloch-Porträts (5): Ai Weiweis Kern
Sommerloch-Porträts (4): Karin Kneffels Kuh
Sommerloch-Porträts (3): Robert Wilsons Mund
Sommerloch-Porträts (2): Pierre Huyghes Hund
Sommerloch-Porträts (1): Tim Burtons Hand

Homepage des Lehmbruck Museums
Homepage des Museums Küppersmühle

Sommerloch-Porträts (6): Erwin Wurms Gurke

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